Über Artemisia
Die Pflanzengattung 'Artemisia' beinhaltet Pflanzen, die weltweit in Heilkunde, Ernährung und Ritualen eine wichtige Rolle spielen, z. B.:
Beifuß Artemisia vulgaris, Artemisia annua u. a.,
Wermut Artemisia absinthium,
Eberraute Artemisia abrotanum
oder Estragon Artemisia dracunculus.
Sie sind allesamt Kräuter von herbwürzigem Geruch und bitterem Geschmack.
Auch in unserer abendländischen Kultur und in unserer traditionellen Heilkunde sind die Artemisia-Pflanzen tief verwurzelt.
In der Antike war der Beifuss der griechischen Göttin Artemis, oft gleichgesetzt mit der Göttin Ilithia, Göttin der Geburt und Frauenheilkunde, Hüterin der Frauen und Kinder, geweiht. Dies findet sich im Namen der Pflanzengattung 'Artemisia' wieder. Artemis ist in der griechischen Mythologie aber auch die Göttin des Waldes, der wilden Tiere sowie der Jagd. Sie ist die ungebundene Jägerin in der Wildnis, jenseits der schützenden Zäune der Zivilisation. Sie zählt zu den zwölf großen olympischen Göttern.
'Artemisia' zieht sich wie ein grünes Band durch meine Therapien und Schwerpunkte:
Frauengesundheit und Frauenheilkunde
Über viele Jahrhunderte und in vielen Kulturen – bei den Germanen, im Mittelalter, im antiken Griechenland oder bei den Römern - waren besonders die Beifuß-Arten mit ihrer den Unterleib durchwärmenden, entkrampfenden und geburtseinleitenden Wirkung wichtige Heilkräuter in der Frauenheilkunde und bei Geburten. Beifuss war die „Mutter aller wurtz“, die Mutter aller heilkräftigen Kräuter, wie im ‚Speyerer Kräuterbuch’ von 1456 beschrieben. Die Pflanze wird auch heute in der Frauenheilkunde sehr geschätzt.
Pflanzenheilkunde
Nach Ansicht der Hildegard von Bingen wirke der Beifuß besonders im Verdauungsbereich, er heile „kranke Eingeweide“ und wärme „den schmerzenden Magen“. Beifuss und Wermut regen durch ihre aromatische Bitterkeit die Verdauungssäfte kräftig an und steigern den Appetit. Sie haben eine tonisierende Wirkung auf den ganzen Körper.
Die Artemisia-Pflanzen haben noch viele weitere traditionelle Anwendungsbereiche in der sogenannten Volksheilkunde.
Früher meinte man auch, dass der Saft der Artemisia, auf den Körper gerieben, Kraft geben solle. Diese Vorstellung von den kräftigenden Eigenschaften des Beifuß und wohl auch des Wermut findet sich z. B. bei den Germanen und Kelten: das 'Mug' im alten Namen ‚Mugwurz’ für den Beifuß ist wohl entweder auf 'Macht' oder auf das keltische 'miegle' = ‚wärmen' zurückzuführen.
Chinesische Medizin
In der chinesischen Heilkunde kommen Beifußarten in Kräuterrezepturen und -arzneien, z. B. in der Frauenheilkunde, zum Einsatz. Die Art Artemisia vulgaris moxa, das Moxakraut, spielt bei der Moxibustion die zentrale Rolle: es wächst in ganz China und wird für Heilzwecke seit mehreren tausend Jahren verwendet.
Rituale
Beifuß ist in Europa eine altbekannte Ritual- und Räucherpflanze. Man räucherte z. B. mit Beifuß während der Weihenächte und der Wintersonnenwende. Beifuss galt auch als ein 'Übergangskraut', welches die Seele bei der Geburt oder im Tod beim Übertreten der Schwelle in eine andere Welt begleitete.
